DaWanda hört auf. Die 3 besten DaWanda Alternativen nach Schließung

DaWanda Schließung – war es das jetzt für den Handmade-Markt in Deutschland? Woher bekomme ich ab jetzt das „homemade“ Bartwachs vom Hipster meines Vertrauens oder den exklusiven Gin aus Kleinstproduktion nach altem Familienrezept? Wie verkaufe ich weiterhin meine liebevoll gefertigten Produkte ohne mit den großen Herstellern online um Aufmerksamkeit und Umsatz wetteifern zu müssten?

Wir zeigen Euch wo Käufer und Kreativtäter sich in Zukunft treffen können und haben die 3 besten Alternativen zusammengestellt:

Dawanda geschlossen. Ich war Kreativtäter bei DaWanda. Wo verkaufe ich in Zukunft mein „Handmade“am Besten online?

Allen Social Commerce Plattformen ist gleich, das praktisch jeder ein Produkt einstellen kann, egal, wie klein die Produktion ist – eben bis hin zum Unikat. Zugleich weiß eine wachsende Menge von Nutzern, dass sie auf diesen Plattformen viel Handgemachtes und ungewöhnliche Einzelstücke findet. 

Um die kreativen Produzenten und individuellen Designer und Ihre Klientel zusammen zu bringen, haben sich seit 2005 einige Social Commerce Marktplätze jenseits von eBay und Co. im Netz etabliert, von denen jetzt der größte deutsche Anbieter seine Plattform zum 30. August 2018 schliessen will.

DaWanda hat derzeit über 4 Millionen registrierte Mitglieder.

Die Plattform wurde bereits 2006 gegründet und listet derzeit etwa 4 Millionen Artikel. Im vergangenen Jahr fanden etwa 2 Millionen Käufer und mehr als 70.000 aktive Verkäufer auf der Online-Plattform zusammen.

Für viele der privat Produzierenden ist das ganze längst mehr als nur eine virtuelle Theke, wo sie nach Feierabend genähte Schlüsselanhänger verkaufen. Rund 25 % der Verkäufer bei DaWanda – in der Mehrzahl sind es Frauen zwischen 20 und 40 Jahren– nutzt den Marktplatz inzwischen als Haupteinnahmequelle. Für viele ist DaWanda oder Etsy sogar ein Sprungbrett in die Selbstständigkeit mit eigenem (Online-)Shop.

  1. Etsy – Weltweit Handgemachtes verkaufen. Eine Alternative.

Obwohl DaWanda in Deutschland populärer und noch bekannter ist als Etsy, schlägt jetzt die Stunde des amerikanischen Weltmarktführers und Etsy schickt sich an als erster die Lücke zu füllen, die DaWanda hinterlässt. Bei Etsy kaufen und verkaufen mehr als 30 Millionen Menschen aus aller Welt Eigenkreationen, Einzelstücke und Vintage-Artikel. 2005 in New York gegründet, bietet Etsy mit 1,9 Millionen aktiven Shops und mehr als 45 Millionen Produkten die weltweit größte internationale Kreativ-Community. Durch eine Vielzahl an Diensten und Tools unterstützt Etsy seine kreativen Unternehmer dabei, ihr Geschäft zu gründen, führen und auszubauen. Ziel von Etsy ist es, den Handel neu zu gestalten und so eine zufriedenstellendere und nachhaltigere Welt zu erschaffen.

Josh Silverman, CEO von Etsy, kommentiert hierzu:

Deutschland ist seit langem einer von Etsys geografischen Hauptmärkten. Investitionen in Marketing, Technologie, Community-Events und die Talentförderung in unserem Berliner Büro sehen wir als substantielle Schritte unsere deutsche Community zu stärken. Mit dieser Vereinbarung können wir Etsys Reichweite in Deutschland und Mitteleuropa weiter ausbauen. Wir freuen uns, DaWanda-Verkäufer und -Käufer bei uns zu begrüßen. Auch zukünftig werden wir weiterhin stark in das globale Wachstum von Etsy investieren. 35 Millionen aktive Käufer bieten DaWanda-Verkäufern neue Möglichkeiten, ihr Geschäft auszuweiten, während DaWanda-Käufer ihrerseits vom Zugang zu unseren mehr als 50 Millionen Artikeln profitieren.“

Und auch DaWanda legt seinen Verkäufern nahe zur „grossen Schwester“ umzusiedeln und macht dies besonders leicht:

DaWanda-Gründerin und CEO, Claudia Helming hierzu:

Etsy teilt viele Werte und Ideale mit DaWanda. Die Plattform legt ihren Fokus darauf, Unternehmer/innen zu fördern, lebt Kreativität und stellt menschliche Beziehungen in den Vordergrund. Hinzu kommen Aspekte wie Internationalität und Reichweite. Ich bin zuversichtlich, dass unsere Community als Teil von Etsy weiter gedeihen wird.“

In den kommenden Monaten werden die Teams von Etsy und DaWanda daran arbeiten, einen nahtlosen Übergang für Käufer und Verkäufer zu gewährleisten. Beginnend mit dieser Woche,der Woche ab dem 2. Juli 2018 können DaWanda-Verkäufer ihre Shops, Artikel sowie Shop-Bewertungen unkompliziert und kostenfrei importieren. Etsy wird z. B. zusätzliche Zahlungsoptionen für Deutschland durch eine neue Partnerschaft mit Klarna anbieten.

Der Rubel rollt auch im Social Commerce – nicht nur für die Nachhaltigkeit

Im Social-Commerce ist natürlich nicht alles reiner Idealismus. Alle wollen auch etwas verdienen. So fungieren DaWanda und Etsy als Vermittler – und stellen den Rahmen (Werbung, Template, Bestelllogistik, Rechnungsabwicklung etc) für den kompletten eCommerce-Prozess. Beide Plattformen kassieren pro hochgeladenem Artikel eine Gebühr, die zwischen 10 und 30 Cent liegt, plus eine Provision für jeden verkauften Artikel. Dabei ist Etsy deutlich günstiger mit einer Gebühr von 3,5 Prozent des Verkaufspreises, DaWanda nahm 9,5 Prozent.

2.Amazon Handmade

Allerdings steht mit Amazon Handmade schon ein dritter Wettbewerber in den Startlöchern. Amazon als DER online Marktplatz weltweit möchte natürlich das lukrative Geschäft mit handgemachten Nischenprodukten nur den kleineren Plattformen überlassen und bietet Kleinproduzenten und Künstlern eine neue Plattform. Ganz getreu dem Motto „ Hier spielt immer noch die Musik“ bietet Amazon mit der sellerplattform „Amazon Handmade“ ausgesuchten Händlern ein virtuelles Schaufenster.

Was bedeutet „Handmade“ bei Amazon?

Alle Produkte in Ihrem Amazon Handmade-Shop müssen vollständig handgefertigt, von Hand angepasst oder von Hand zusammengebaut (nicht aus einem Bausatz) sein. Massenprodukte oder Produkte, die von einem anderen Kunsthandwerker hergestellt wurden, sind nicht zum Verkauf bei Amazon Handmade zugelassen.

Derzeit steht Amazon Handmade für Kunsthandwerker offen, die Schmuck, Küchen- & Haushaltsartikel (Bilder & Kunstwerke, Bettwaren, Bad, Aufbewahren & Organisieren, Garten & Terrasse, Kochen & Essen, Möbel, Wohnaccessoires & Deko) sowie Baby, Mode Accessoires, Beleuchtung, Schreibwaren, Papeterie, Spielzeug, Spiele, Bekleidung,Schuhe, Elektronikzubehör sowie Sportartikel herstellen.

Und Amazon Handmade arbeitet bereits an einer Erweiterung der Kategorien um auch jedem noch so kleinen Kunsthandwerk ein Zuhause anbieten zu können. Solltest Du bereits über Amazon verkaufen, wirst Du die Möglichkeit bekommen, Handmade einfach Deinem Account hinzuzufügen, sobald du „eingeladen“ wurdest. So eröffnet sich natürlich eine noch breitere Käuferschaft. Hier eine Gebührenübersicht von „Amazon Ahndmade“ Stand Juli 2018:

Handmade Verkaufsgebühren In %
Handmade: Haushalt 12%
Handmade: Schmuck 12%

Auch wenn Amazon durch seinen vorgeschalteten Auswahlprozess eine Begrenzung von konkurrierenden Anbietern suggeriert, muss sich jeder Verkäufer auf dem Mutterschiff des Onlinehandels klar sein, dass er dort nicht nur hunderte von Millionen potenzieller Käufer trifft, sonder vor allem auch ein Heer von Mitbewerbern, die um die Aufmerksamkeit und Gunst von König „Kunde“ kämpfen. Selbst das außergewöhnlichste Produkte findet dort nicht unbedingt schnell seine Abnehmer.

  1. 3. Palundu, Option Nummer 3. 

Last not least wollen wir Euch noch Palundu, falls noch nicht bekannt, vorstellen. Der deutsche „Youngster“ unter den Social Commerce Plattformen ist seit 01.01.2017 am Start. Naturgemäß ist die Community dort natürlich noch etwas übersichtlicher als bei den langjährigen Marktspielern, aber immer mehr kreative Köpfe schließen sich der Online Community für Handarbeitskünstler an und immer mehr Käufer finden so auch Ihren Weg in diese Oase der hardcore „Handmade“-Szene

Bei Palundu gibt es keine Verkaufsprovision und keine Einstellgebühren. 

Der Verkäufer kann sich eine Premium Mitgliedschaft für Palundu kaufen welche entweder, 18 € im Jahr oder aber 12 € für ein halbes Jahr, kostet. Die Mitgliedschaft wird automatisch nach der Laufzeit gekündigt und verlängert sich nicht selbstständig.

Zudem bietet Palundu ein einzigartiges Prüfverfahren für Produkte, welches sicherstellt das wirklich nur echte Handarbeit im Marktplatz gelistet wird. Ein Produkte wird erst von der Seite freigegeben wenn es sich wirklich um Handarbeit handelt. Die Ausnahme bildet nur die Kategorie Material.

Palundu im Überblick:

  • Deutsches Unternehmen
  • Angeschlossen an Händlerbund und IT-Kanzlei
  • Nur gewerbliche Verkäufer zulässig
  • Keine Einstellgebühren oder Verkäuferprovisionen
  • Import Deiner Produkte möglich

Produkte die nicht handgefertigt sind, finden also keinen Weg in den Marktplatz. So muss sich der Handarbeitskünstler nicht mit Industriegiganten messen.

Ein Fazit, so als Kunde

In einer Flut voller materieller Möglichkeiten und Massenware aus aller Welt wünschen wir uns wieder „Unikate“ oder wenigstens Dinge, die nicht an jeder Ecke zu finden sind.

Die Liebsten wollen wir mit Einzigartigem beschenken und uns und unsere Einzigartigkeit auch ein bißchen feiern.

Die meisten angebotenen Produkte im „Handmade“-Segment lassen sich eben genau nach meinem Kundenwunsch anpassen und maßschneidern. Aber egal ob Kleinserie oder maßgeschneidertes Unikat, ganz unabhängig von der Art der verkauften Waren, ist der Bestellprozess einfach, der Aufwand und macht oft richtig Laune – ist eben social. Wir Kunden können die Produkte nach verschiedenen Kriterien filtern, in Bewertungen und Kommentaren über das Produkt diskutieren, eigene Listen mit Favoriten anlegen und auf unkomplizierte Weise dem jeweiligen Anbieter Fragen stellen.

Ein bisschen kann man das bei Amazon und Ebay auch, aber bei Etsy und Palundu ist der persönliche Kontakt ausgeprägter, die Kommunikationsmöglichkeiten von Verkäufern und Kunden vielfältiger und individueller.

Nachhaltigkeit ist ein Thema für mich

Schön ist, dass allen Online Marktplätzen gemein ist, dass sie den Trend zum Selbermachen und Selbstgestalten bedienen. Aus der Perspektive der Nachhaltigkeit ist die Entwicklung weg von industrieller hin zu eigener Produktion erfreulich, auch wenn gewiss nicht jeder Handmade-Anbieter durch und durch nachhaltig arbeitet.

Die Marktplätze fördern vor allem einen Bewusstseinswandel: Produktionsprozesse werden deutlich und auch, dass hinter Designs und Herstellung stets Menschen und Materialien stehen. Zugleich wird mit Shops wie Etsy sichtbar, dass das Bedürfnis nach „guten“ Produkten tatsächlich erfüllt werden kann – auch weltweit.