Traumjob Privatdetektiv. Was macht eigentlich ein Detektiv?

Über die Jahre ist um so manche Branche ein wahrer“Mythos“ entstanden. Fragt man Kinder so konkurrieren Astronaut, Feuerwehrmann, Polizist und eben Detektiv um den Titel des beliebtesten Berufes, wenn jene mal groß sind. Fakt jedoch ist, die wenigsten eben jener Kinder werden am Ende tatsächlich einen dieser Berufe wählen, wenn sie mal groß sind. Für all jene, haben wir uns mit einem echten Detektiv unterhalten, um herauszufinden ob der Detektiv Job wirklich so spannend ist und was ein Detektiv eigentlich so macht. Wir sprechen heute mit Herrn Meismann, seinerseits langjähriger Privatdetektiv und Geschäftsführer der Detektei APlus, mit Standorten in ganz Deutschland. So führt Jochen Meismann unter anderem Detektivbüros in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart und weiteren.

Interview mit einem Detektiv

Herr Meismann, Sie sind Privatdetektiv. Ein Job, der für viele Kinder und spätere Jugendliche durch Sendungen wie „Inspector Gadget“ sicherlich zu den vermeintlichen coolste Jobs überhaupt gehört. Über welchen Weg sind Sie zu dieser Berufswahl gekommen und was hat letztendlich dafür gesorgt, auch bei der Berufswahl zu bleiben?

Ob der Detektivberuf der „coolste Job der Welt“ ist, wage ich zu bezweifeln. Fußballexperte bei Sky ist vermutlich cooler, besser bezahlt und vor allen Dingen mit weniger Anstrengungen verbunden.

Bei mir war es so, dass ich quasi in den Beruf hineingeboren wurde. Wenn man wie ich einen Vater hat, der Detektiv ist, kommt man schon als Kind mit dem Beruf in Berührung. Letztlich ist der Detektiv-Beruf sehr interessant und abwechslungsreich. Daher fällt es nicht schwer, bei dem Beruf zu bleiben.

Für Außenstehende ist es zum Teil sicherlich schwer nachzuvollziehen, wie man eigentlich überhaupt zum „professionellen Detektiv“ wird. Durchläuft man eine Art Grundausbildung oder startet man einfach ab Tag 1 und betreibt gewissermaßen eine Art „learning by doing“?

In Deutschland existiert keine generelle Berufsausbildung zum Detektiv, da es kein Lehrberuf ist. Seit den 90er Jahren gibt es allerdings die Zentralstelle für die Ausbildung im Fernunterricht (ZAD). Diese realisiert  Maßnahmen zur Qualifizierung im Rahmen der berufsbegleitenden Erwachsenenfortbildung. Diese Unterrichtung läuft im Fernunterricht kombiniert mit Blockunterricht. Der Kombi-Kurs dauert 22 Monate. Absolventen schließen ab mit dem Zertifikat „ZAD Geprüfter Privatermittler / Detektiv – mit IHK Zertifikat“. Parallel zu Unterrichtung sollte man in einer Detektei arbeiten, um die Praxis zu erlernen.

Tatsächlich finden sich in der Branche aber auch sehr viele Personen, die zuvor bei einer staatlichen Ermittlungseinheit gearbeitet haben. Das können zum Beispiel Polizei, Nachrichtendienst oder Zoll sein. Theoretisch ist es aber auch denkbar, ein Gewerbe anzumelden und per „learning by doing“ anzufangen, was aber nicht zu empfehlen ist. Personen die das versuchen scheitern in aller Regel sehr schnell und hinterlassen verbrannte Erde. 

Wie sieht ein typischer Tag im Leben eines Detektiven eigentlich aus? Ähnelt Ihr Tagesablauf dem in einem Film, bei dem der Detektiv viel im Auto sitzt, dabei Kaffee trinkt, Pizza isst und den ganzen Tag darauf wartet, den perfekten Schnappschuss mit der Kamera zu machen?

Den typischen Tag gibt es eigentlich nicht, denn die Aufgaben sind ja stets anders. Es hängt auch davon ab, in welcher Fachrichtung der Detektiv unterwegs ist. Jemand, der sich mit Lauschabwehr befasst fährt mit seinem Equipment los und sucht den ganzen Tag nach verborgenen Kameras und Abhörgeräten in Büros.

Ein anderer, der dem operativen Observationsdienst angehört sitzt tatsächlich fast den ganzen Tag im Auto und wartet auf die Dinge, die da kommen. Kaffee ist da ein Grundnahrungsmittel, Pizza eher weniger, weil der Mann ja im Einsatz nicht einfach wegfahren kann, um sich die Pizza zu holen. Er hat dann seine Tupperdose dabei und kommt so durch den Tag.

Wenn er Glück hat, geht seine Zielperson irgendwann im Laufe des Tages in ein Lokal. Diese Gelegenheit kann der Detektiv dann nutzen und sich auch was zu Essen zu holen. Kann er dabei die Zielperson beobachten und wichtige Erkenntnisse sammeln, geht das Essen sogar auf Spesen, das heißt der Kunde bezahlt es. Leider kommt das aber nicht ganz so oft vor.

Ihre Detektei APlus ist hauptsächlich im Bereich Privat- und Wirtschaftsdetektei tätig. Gibt es in Ihrer täglichen Arbeit Sachverhalte, mit denen Sie besonders häufig zu tun haben?

Faktisch leben wir vom Arbeitsrecht. In der Praxis bedeutet das: wir beobachten Mitarbeiter eines Unternehmens bei einem klaren Verdacht. Meist sind es Mitarbeiter, die sich krank gemeldet haben, in Wirklichkeit aber putzmunter sind. Bei einem klaren Verdacht darf ein Arbeitgeber einen solchen Blaumacher observieren lassen. Kann man vorgeblich Kranken dann nachweisen, dass er zum Beispiel einer Schwarzarbeit nachgeht, so ist das in der Regel ein Grund für eine fristlose Kündigung. So etwas kommt weit häufiger vor als die Öffentlichkeit das glauben mag.

Tatsächlich haben wir eine „Erfolgsquote“ von etwa 80 Prozent bei der Beobachtung im Zusammenhang mit Krankschreibungsbetrug. Diese doch recht hohe Zahl macht deutlich, mit welchen Problemen sich Arbeitgeber beschäftigen müssen. Natürlich sind nicht 80 Prozent aller Mitarbeiter mit einem Krankenschein Blaumacher. Aber von jenen, die im klaren Verdacht stehen sind es eben so viele. Und es heißt nicht, dass die anderen 20 Prozent tatsächlich sauber sind. Diesen konnte dann nur nichts bewiesen werden.

Angenommen ich als Privatperson oder gar Geschäftsführer suche aktiv nach einem Detektiven, den ich beauftragen möchte. Worauf sollte ich bei der Suche achten? Was macht eine gute Detektei aus?

Diese Frage ist gar nicht einfach zu beantworten. Auf keinen Fall sollte man sich von sinnlosen Zertifizierungen blenden lassen, die nur bedeuten, dass die Detektei Handlungsabläufe immer in der gleichen Form macht. Es gibt einige Anbieter am Markt, die gerne damit werben. Wir tun das nicht. Wirklich wichtig sind Parameter wie Berufserfahrung. Fragen Sie also genau nach, wann die Detektei gegründet wurde. Wer erst ein paar Jahre dabei ist muss nicht schlecht sein, aber generell gilt: langjährige Marktpräsenz ist ein gutes Zeichen, weil der Markt sich meist schnell bereinigt. Lassen Sie sich nichts von Internationalisierung oder einem ähnlichen Quatsch erzählen, sondern wenden sich in dem Fall besser dem nächsten Anbieter zu.

Prüfen Sie das Kapital der Firma. Ein Unternehmen, das nicht weiß, wie es morgen das Porto für die Ausgangspost bezahlen soll, ist sicher nicht Ihr geeigneter Ansprechpartner. Dies ist jedoch kein Alleinstellungsmerkmal des Detektiv Jobs, sondern gilt ja eigentlich für alle Branchen. Im Detektiv Job ist dies jedoch durchaus ein wichtiger Punkt, denn wenn ein Detektiv als Zeuge von Nöten ist, so ist es hilfreich, wenn jener auch noch da ist.

Interessant ist sicherlich auch die Antwort auf die Frage, wie Detektive bezahlt werden? Zahlt man als Kunde pro Auftrag, pro Tag, pro Stunde oder gar nur pro erfolgreicher Ermittlung?

Die Abrechnung ist auf den jeweiligen Fall bezogen. Es hängt davon ab, was zu machen ist. Viele Dienstleistungen werden nach Stunden abgerechnet, wobei der Stundensatz nach Aufgabe abweichen kann. Bei bestimmten Fällen kommt eine Erfolgskomponente hinzu. Das ist zum Beispiel bei uns bei der Suche nach Personen oft der Fall. Finden wir jemanden, so kommt eine erfolgsabhängige Variante der Abrechnung zum Tragen.

Sicherlich unterscheiden sich Ihre einzelnen Aufträge nicht nur in ihrem Umfang, sondern vor allem in der Komplexität. Wie viele offene Fälle kann mal als Detektiv grob geschätzt gleichzeitig abarbeiten?

Ein einzelner Detektiv kann immer nur an einer Stelle gleichzeitig sein. In einer Detektei wie der unseren laufen aber immer viele Fälle parallel, da wir über die entsprechenden Kapazitäten verfügen. Das sind dann nicht nur Fälle, die in Deutschland spielen, sondern oft auch solche im Ausland.

Ohne zu tief ins Detail zu gehen: was waren bisher die spannendsten Fälle, an denen Sie als Detektiv arbeiten bzw. mitwirken durften?

Wer wie ich seit gut 37 Jahren in dem Beruf tätig ist, hat eine extrem hohe Zahl an Fällen bearbeitet. Gemeinsam mit meinem Team waren das inzwischen etwa 30.000, die über meinen Schreibtisch gelaufen sind. Da den spannendsten herauszufiltern ist schwer.

Sie wollen uns doch nicht wirklich Ihre spannendsten Fälle als Detektiv vorenthalten?

Aber es gab schon recht interessante Sachen wie zum Beispiel die Jagd nach einem Anlagebetrüger, den wir in Neuseeland aufgespürt haben und von dem wir dann einen Teil des an unseren Mandanten verursachten Schadens zurückholen konnten. Beauftragt hatte uns dabei eine Gruppe von Geschädigten. Sehr kniffelig waren auch Kindesrückführungen aus Afrika, die mit einem sehr hohen persönlichen Risiko einher gehen.

Auch wenn es Einsätze in aller Welt gibt, so darf man nicht vergessen, dass der Alltag einfach die Observation zum Beispiel in Castrop-Rauxel ist, wo man 12 Stunden und mehr im Auto sitzt und beobachtet. Spannend ist das meist nicht.

Stichwort Ausland: Welche Fälle bearbeiten Detektive dort?

Ich kann da nur für unsere Firma sprechen. Im Prinzip erledigen wir im Ausland alles das, was wir auch in Deutschland machen. Tatsächlich sind wir ausgesprochene USA-Spezialisten. Wir bearbeiten sehr viele Aufträge in den Vereinigten Staaten und haben dort ein hervorragendes Netzwerk. Das sind im Prinzip Fälle aller Art. In der jüngsten Vergangenheit waren das Observationen im Krankenstand, Suche nach einer Adresse von Personen, Backgroundchecks, Lauschabwehr in den USA, Recherchen im Zusammenhang mit der Beanspruchung von Versicherungsleistungen und so weiter. Die Zahl unserer Einsätze in den USA ist höher als jene hierzulande in kleineren Bundesländern wir dem Saarland.

Zumeist erledigen wir die Aufträge gemeinsam mit amerikanischen Detektiven, damit es nicht zu Problemen in der Berufsausübung vor Ort kommt. Dort sind Detektive nämlich in fast allen Bundesstaaten lizenziert. Es fliegt dann ein Detektiv oder auch ein Team in die USA und gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort erfüllen wir die Aufgaben. Einfache Aufgaben lassen sich natürlich auch vom Schreibtisch aus lösen, ohne dass man nach Amerika fliegen muss.

Abschließende Frage: Angenommen ich als Leser möchte jetzt voll in das Thema einsteigen. Welche Eigenschaften sollte ein guter Privatdetektiv Ihrer Meinung nach unbedingt mitbringen?

Geduld, gute Allgemeinbildung, unauffälliges Aussehen und Auftreten, gute Fahrpraxis, möglichst zweisprachig, ein hohes Maß an Bereitschaft zur Mobilität und die Verabschiedung von einem geregelten Alltag.